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Geschäftsmodelle im Wandel der Zeit

Nokia – ursprünglich ein finnischer Holzstoffhersteller, der sich zu einem Mischkonzern und ab den 1970er Jahren zu einem Telekommunikationsunternehmen wandelte – galt ab Anfang der 1990er bis Mitte der 2010er Jahre als weltweit bedeutender Mobiltelefonhersteller und war von 1998 bis 2011 Marktführer in dieser Branche.

Das Unternehmen wurde 1865 gegründet und stellte anfangs Papiererzeugnisse her, die nach Russland und Großbritannien exportiert wurden. 1868 eröffnete man ein Zweitwerk in der unweit westlich gelegenen Stadt Nokia. Die Nokia Aktiebolag wurde 1871 gegründet. Die folgenden Jahre der Firmengeschichte waren geprägt von Unternehmenszukäufen, wodurch sich Nokia zu einem Mischkonzern wandelte. Im Zuge weiterer Diversifikation des Unternehmens wurde zeitweise sogar Strom erzeugt. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts produzierte das Unternehmen vor allem Gebrauchsgegenstände wie Gummistiefel und Radmäntel für Rollstühle. Noch heute prangt der Name Nokia auf vielen Fahrradreifen, sie werden allerdings nicht mehr vom Unternehmen produziert, sondern von Nokian Tyres, einem einstigen Tochterunternehmen von Nokia.

Anfang 2011 ging Nokia mit Microsoft eine Partnerschaft über Windows-basierte Mobiltelefone ein und verkaufte die gesamte Mobiltelefonsparte am 25. April 2014 für insgesamt über fünf Milliarden Euro an Microsoft, welche den Markennamen Nokia ab Ende 2014 auf einfache Mobiltelefone beschränkte. 2016 schloss der finnische Elektronikhersteller HMD Global einen Lizenzvertrag mit Nokia, kaufte Microsoft Mobile die verbliebenen Nokia-Namensrechte ab und bietet seit 2017 weltweit exklusiv Nokia-Mobiltelefone an, die unter anderem auf Android basieren und von Foxconn produziert werden.

Nokia selbst konzentriert sich seit 2013 mit Nokia Networks auf die Telekommunikationsnetz- und Softwaresparte sowie mit Nokia Technologies, die unter anderem 2015 ein Tablet und eine VR-Kamera auf den Markt brachten, auf den Technologie-Sektor. Seit der Übernahme von Alcatel-Lucent, wodurch Nokia zum größten Netzwerkausrüster vor Ericsson, Huawei und ZTE aufstieg, treten beide Unternehmen seit dem 14. Januar 2016 unter dem Namen Nokia auf.

https://de.wikipedia.org/wiki/Nokia

Was für eine Geschichte! Und selbst als Nokia auf die Umwälzung des Mobilfunkmarktes, die 2007 mit der Einführung des iPhone einsetzte, zu spät reagierte und dem anschließenden Aufstieg des Smartphones vom Nischen- zum Massenprodukt nicht folgen konnte, fand man trotz der daraus resultierenden Krise einen Weg zur Neuausrichtung des Geschäftsmodells.

Nicht jedes Unternehmen muß zwangsläufig derart viele und tiefgreifende Veränderungsprozesse durchleben, wie dies bei Nokia der Fall war, aber jeder Unternehmer muß sich stets bewußt machen und halten, daß Unternehmen heute meist nur noch dann dauerhaft erfolgreich sind, wenn sie sich in der VUCA-Welt zurechtfinden und orientieren können. Hierbei kann ein richtig ausgearbeitetes und stets aktuell gehaltenes Geschäftsmodell sehr hilfreich sein.

VUCA ist ein Akronym für die englischen Begriffe

  1. volatility (Unbeständigkeit),
  2. uncertainty (Unsicherheit),
  3. complexity (Komplexität) und
  4. ambiguity (Mehrdeutigkeit)

und beschreibt schwierige Rahmenbedingungen der Unternehmensführung.

Quelle: https://www.quality.de/lexikon/vuca/

Ein Geschäftsmodell beschreibt die Funktionsweise eines Unternehmens und wie es Gewinne erwirtschaftet. Grundsätzlich soll die Beschreibung von Geschäftsmodellen helfen, die Schlüsselfaktoren des Unternehmenserfolges oder Misserfolges zu verstehen, zu analysieren und zu kommunizieren.

Ein Geschäftsmodell besteht nach Stähler aus drei Hauptkomponenten:

  • Nutzenversprechen
    Ein Geschäftsmodell enthält eine Beschreibung, welchen Nutzen Kunden oder andere Partner des Unternehmens aus der Verbindung mit diesem Unternehmen ziehen können. Dieser Teil eines Geschäftsmodells wird Value Proposition, Wertangebot oder Nutzenversprechen genannt. Es beantwortet die Frage: Welchen Nutzen und Wert stiftet das Unternehmen für Kunden und strategische Partner?
  • Architektur der Wertschöpfung
    Ein Geschäftsmodell ist gleichzeitig eine Architektur der Wertschöpfung, d. h., wie der Nutzen für die Kunden und die strategischen Partner generiert wird. Diese Architektur beinhaltet eine Beschreibung der verschiedenen Stufen der Wertschöpfung und der verschiedenen wirtschaftlichen Agenten und ihrer Rollen in der Wertschöpfung. Es beantwortet die Fragen: Wie wird die Leistung in welcher Konfiguration erstellt? Welche Leistungen werden auf welchen Märkten angeboten (Produkt/Markt Strategien)?
  • Ertragsmodell
    Neben dem Was und dem Wie beschreibt das Geschäftsmodell auch, welche Erlöse das Unternehmen aus welchen Quellen generiert. Die zukünftigen Unternehmensgewinne entscheiden über den Wert des Geschäftsmodells und damit über seine Nachhaltigkeit. Es beantwortet die Frage: Wodurch wird Geld verdient? Dieser Teil des Geschäftsmodells heißt Ertragsmodell. Es gliedert sich in ein Erlös- und ein Kostenmodell.

Ein explizites Geschäftsmodell trägt u.a. dazu bei, dass Unternehmen krisenresilienter werden und es liefert Ihnen darüber hinaus Orientierung.

In der unternehmerischen Praxis verzichten immer noch viele Geschäftsleiter auf solch ein explizit formuliertes Geschäftsmodell, dies mutmaßlich, weil es ihnen zu abstrakt, theoretisch oder gar akademisch erscheint. Viele Geschäftsleiter verlassen sich bei Entscheidungen ausschließlich auf ihre Erfahrung und somit auf ein implizites Geschäftsmodell.

Häufig bildet die Transformation von Geschäftsmodellen aber die Grundlage für die Möglichkeit der Sanierung eines in die Krise geratenen Unternehmens. Hier setzen wir an und gerne unterstützen wir Geschäftsleiter bei der Bewältigung einer Unternehmenskrise.